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Mann ohne Unterhose
Früher, da gab es noch schöne alte O-Busse und es gab anständige Männer – so dachte ich jedenfalls.
Es war 1961 und ich studierte in Dresden. Ich stieg in die Buslinie 61 ein, zusammen mit gefühlten 4000 anderen Fahrgästen. Schon damals war die 61 die Studentenlinie und immer überfüllt, so auch heute.
Manche werden sich noch erinnern, in den alten O-Bussen gab es damals hinten Sitzgelegenheiten, die sich gegenüber standen. Ich war froh, noch einen Platz ergattert zu haben. Froh war sicher auch der junge Mann, der mir gegenüber saß. Er trug ein weißes Hemd und eine Lederhose, eine kurze – und darunter – nichts.
So wie der Bus über jedes Schlagloch holperte, so stolperte bei ihm das, was die Schlange im Paradies vergessen hatte, abzubeißen.
Ich errötete sofort, aber ich musste auch immer dort hinschauen. Meinen Nachbarn erging es ähnlich. Es kicherte und lachte um mich herum und ich konnte mir das Lachen auch kaum verkneifen. Noch heute kann ich die Geschichte nur mit etwas Scham erzählen.
Angelika Weinmann





