Streifzug 11: Auf geheimen Wegen zum Schloss Wackerbarth

Tariftipp

Für die Tour empfehlen wir eine Tageskarte für eine Person und zwei Kinder bzw. eine Familientageskarte für zwei Erwachsene und vier Kinder bis einschließlich 14 Jahre für die Tarifzone Dresden und Radebeul. Damit können Sie bis 4 Uhr morgens flexibel mit allen Straßenbahnen, Bussen, S-Bahnen und Zügen sowie den Elbfähren in Dresden fahren.

Erleben Sie einen Streifzug durch die Genuss-Stadt Radebeul, auch liebevoll das „Sächsische Nizza“ genannt. Seit jeher ist Radebeul ein begehrtes Wohngebiet und Ausflugsziel. Kein Wunder bei der landschaftlichen Schönheit – eingebettet liegt es im Elbtal, im Hintergrund die beeindruckende Kulisse der Weinberge. Wussten Sie, dass Radebeul als kleinstes Weinanbaugebiet Deutschlands gilt? Das milde Klima ermöglicht das Gedeihen der Rebe. Klassisch, sächsisch, trocken, werden die hiesigen Weine gern beschrieben und erfreuen sich großer Beliebtheit. Probieren Sie es aus. Auf dem Weg zum Schloss Wackerbarth, dem Sächsischen Staatsweingut und der ältesten Sektkellerei Sachsens, bietet sich sicherlich die eine oder andere Gelegenheit, einen sächsischen Wein zu kosten, spätestens wenn wir unser Ziel – auf geheimen Wegen – erreicht haben.

  • Länge der Tour: ca. 5 km
  • Dauer der Haupttour: ca. 2 Stunden
  • Hauptroute: Landesbühnen Sachsen – Radebeuler Weinhänge – Mätressenschlösschen – Volkssternwarte Adolph Diesterweg – Schloss- und Gartenanlage Schloss Wackerbarth mit Belvedere
  • Festes Schuhwerk wird empfohlen, die Tour ist nicht barrierefrei.
  • Erreichbarkeit des Startpunktes: Haltestelle Landesbühnen Sachsen (Straßenbahnlinie 4, Buslinie 72)
  • Rückfahrtmöglichkeit: Haltestelle Schloss Wackerbarth (Straßenbahnlinie 4)

Landesbühnen Sachsen -  Höhenweg

Die heutige Wanderung beginnt an der Haltestelle Landesbühnen Sachsen (1) der Straßenbahnlinie 4. Bereits vom Haltepunkt aus sieht man gut das gleichnamige Theater. Es ist Deutschlands zweitgrößtes Reisetheater, das sein Stammhaus hier in Radebeul hat und in den Sommermonaten die wunderschöne Naturbühne Rathen in der Sächsischen Schweiz bespielt. Das Theater wurde bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in einem Gasthof in Gittersee von ein paar theaterbegeisterten Dresdnern gegründet. Sie spielten in verschiedenen, noch funktionierenden Gasthöfen, bis sie 1950 nach Radebeul an die „Goldene Weintraube“ zogen.

Rechts an den Landesbühnen Sachsen vorbei gehen Sie die „Schuchstraße“ (2) hinauf, die nach dem Generalmusikdirektor der Dresdner Oper und Leibdirigenten von Richard Strauß Ernst von Schuch benannt ist. Inmitten zahlreicher Villen sehen Sie rechter Hand das Spitzhaus und den Bismarkturm auf den Höhen der Lößnitzberge. Am Ende der Straße biegen Sie links in die „Paradiesstraße“ (3) ein. Wenn Sie sich die Villen genau anschauen, entdecken Sie, dass viele davon Kulturdenkmale sind. An der ersten Weggabelung wählen Sie den unbefestigten Teil der „Paradiesstraße“ und gehen diesen bis zum Ende. Biegen Sie rechts ab, danach gleich wieder nach links und gelangen so auf den Weg „Auf den Bergen“. Vorbei an herrlichen Weinhängen, ehemaligen Winzer- und Bauernhäusern, kommt ein Waldweg, der nach „oben“ auf den „Höhenweg“ (4) führt. Wenn Sie Glück haben, ist eine „Besenwirtschaft“ geöffnet, die selbsterzeugte Weine verkauft und zum Verweilen in dieser wunderschönen Umgebung einlädt.

Friedensburg - Volkssternwarte Adolph Diesterweg

Im Anschluss gehen Sie den „Höhenweg“ geradewegs weiter, vorbei an wunderschönen Vorgärten und Häusern, bis Sie an deren Ende auf die „Obere Burgstraße“ stoßen. Hier gehen Sie nach links und biegen gleich wieder nach rechts zum „Am Wasserturm“ ein. Wenn Sie noch einen kleinen Abstecher zur Friedensburg (5) machen wollen, biegen Sie vorerst nicht ab, sondern gehen weiter geradeaus. Die ehemalige Berggaststätte wurde als mittelalterliche Burganlage im Stil der Neogotik konzipiert. 1871 erhielt sie als Anlass des Friedensschlusses zwischen Frankreich und Deutschland den Namen „Friedensburg“. Aktuell befindet sie sich in Privatbesitz, eine gastronomische Nutzung ist anscheinend nicht wieder geplant.

Zurück am „Am Wasserturm“ gehen Sie linksseitig an der Mauer entlang, unterhalb derer Sie die Weinhänge sehen. Das nächste Ziel ist schnell erreicht: der Franzosenturm (6). Der weiße Wasserturm ist ein Kulturdenkmal. Er wurde auf einer Hangkante erbaut und prägt durch seine weite Sichtbarkeit das Stadtbild. Seinen Namen erhielt er, da beim Bau bis 1917 französische Kriegsgefangene eingesetzt wurden.

Vor dem Turm entstand 1908 ein Aussichtspunkt mit freiem Blick über das Elbtal. Anlässlich des Besuches von König Friedrich August III. in der Lößnitz wurde das Plateau „König-Friedrich-August-Höhe“ (7) genannt. Genießen Sie den herrlichen Rundumblick, bevor sie „Am Wasserturm“ weiterwandern und den Abstieg in Serpentinen bis zur „Oberen Bergstraße“ gehen. Hier gehen Sie rechts die Stufen bis zur „Moritzburger Straße“ hinauf und diese talwärts weiter, bis rechts die „Mohrenstraße“ kommt. An der Mohrenstraße 10 sehen Sie einen massiven und weit sichtbaren Bergpavillon. Er wird heute Mätressenschlösschen (8) genannt, früher hieß er auch „Himmelsschlösschen“ oder „Burg Friedstein“. Weiter auf der „Mohrenstraße“ gehend, kommen Sie zur 1959 eingeweihten Volkssternwarte Adolph Diesterweg (9).  Die Sternwarte mit Planetarium zieht das ganze Jahr über mit öffentlichen Veranstaltungen und Himmelsbeobachtungen zahlreiche Besucher an.

Sächsisches Staatsweingut Schloss Wackerbarth

Zu Ihren Füßen liegt jetzt die barocke Schloss- und Gartenanlage des Sächsischen Staatsweingutes Schloss Wackerbarth. Gehen Sie neben der Sternwarte den Weg durch den Weinberg abwärts. Sie erreichen nun erst einmal den Jacobstein (10), einen Weinbergspavillon, der 1742 auf einem Felsvorsprung erbaut wurde. Ursprünglich wurde er als Winzerunterkunft und Geräteaufbewahrung, später auch als Lusthäuschen genutzt.

Wenige Minuten später kommen Sie an einem weiteren kleinen Lustschloss vorbei. Das unverwechselbare Belvedere (11) ist das Wahrzeichen von Schloss Wackerbarth. Direkt am Weinberg gelegen, blickt man hier über die gesamte Anlage. Der besonders schöne Ort wird daher gern für standesamtliche Trauungen genutzt.

Das Schloss Wackerbarth (12) selbst hat eine sehr wechselvolle Geschichte und wurde mehrfach umgebaut. Ursprünglich erbaut wurde es von Generalfeldmarschall und Reichsgraf August Christoph von Wackerbarth als Alterssitz „Wackerbarths Ruh“. Nach seinem Tod erbte es sein Stiefsohn, welcher wiederum verfügte, dass es nach seinem Tod zugunsten Dresdner Witwen und Waisen versteigert werden sollte. Danach wechselten die Besitzer häufig. Zeitweise wurde es Erziehungsanstalt für Knaben, Heilanstalt für Geisteskranke, Unterkunft für den Marschall der Sowjetunion Konew, Poststation der Roten Armee oder auch Schule mit Internat für aus Griechenland geflüchtete Kinder zu frühen DDR-Zeiten. Erst 1952 wurde es wieder zu einem Weingut und ging 1992 in den Besitz des Freistaates Sachsen über. Seit 1999 ist es im alleinigen Besitz der Sächsischen Aufbaubank.

Inzwischen steht das Weingut, bestehend aus der historischen Anlage und dem modernen Neubau der Wein- und Sekt-Manufaktur, auch Besuchern zur Besichtigung offen. Unter dem Motto „Im Reich der Sinne“ können die hauseigenen Produkte verkostet und gekauft werden. Das gutseigene Restaurant ist im denkmalgeschützten Wirtschaftsgebäude untergebracht und kann für Feierlichkeiten angemietet werden.

Hier endet unser heutiger Streifzug und Sie können sich an der Haltestelle „Schloss Wackerbarth“ auf die Heimfahrt begeben. Falls Sie noch mehr erkunden möchten, empfehlen wir Ihnen als Anschlusstour einen Abstecher nach Altkötzschenbroda. Dazu nehmen Sie die Straßenbahnlinie 4 und fahren mit dieser zwei Haltestellen in Richtung Dresden bis zur „Moritzburger Straße“. Von hier aus gehen Sie die „Bahnhofstraße“ entlang, vorbei am S-Bahnhof Kötzschenbroda, bis Sie am anderen Ende zum liebevoll restaurierten Dorfanger von Altkötzschenbroda (13) kommen. Jetzt befinden Sie sich auf der beliebtesten Flaniermeile Radebeuls. Entlang des Dorfkernes gibt es viele individuelle Geschäfte und verschiedenste gastronomische Einrichtungen. Am Ende des Dorfangers befindet sich die 1273 erstmals erwähnte Friedenskirche (14). Im dazugehörigen Pfarrhaus wurde der Friedensvertrag zwischen Sachsen und Schweden unterzeichnet und so das Ende des Dreißigjährigen Krieges für Sachsen besiegelt.