Fahrplanauskunft

Fahrplanauskunft öffnen
Wechsel zwischen Ankunft und Abfahrt
Erweiterte Auskunft

Streifzug 4: Aus der Friedrichstadt ins Ostragehege

Tariftipp

Für die Tour empfehlen wir eine Tageskarte für einen Erwachsenen und zwei Schüler bzw. eine Familientageskarte für zwei Erwachsene und maximal vier Schüler bis zum 15. Geburtstag oder eine Kleingruppenkarte für bis zu fünf Personen für die Tarifzone Dresden. Damit können Sie bis 4 Uhr morgens flexibel mit allen Straßenbahnen, Bussen, S-Bahnen, Regionalzügen sowie den Elbfähren in Dresden fahren.

Das Ostragehege, einzigartig gelegen im Elbbogen zwischen Übigau und Leipziger Vorstadt, begeisterte schon die Wettiner. Vor mehr als 500 Jahren beanspruchten sie das Gebiet als kurfürstliches Kammergut. Über die Jahrhunderte wurde die Ostra-Halbinsel als Jagdrevier und Industriebezirk mit Hafen, Mühle und Schlachthof genutzt. Lange in Vergessenheit geraten und städtebaulich vernachlässigt, konnte das Ostragehege 2011 durch die Verlängerung der Linie 10 komfortabel an die Innenstadt angeschlossen werden. Heute prägen Sportanlagen, das Heinz-Steyer-Stadion, die MESSE DRESDEN und denkmalgeschützte Gebäude des Erlweinschen Schlachthofs das Bild der Gegend und laden dazu ein, neu entdeckt zu werden.

Kurzbeschreibung

Karte Streifzug 4
  • Dauer der Gesamttour: 2 bis 2,5 Stunden
  • Hauptroute: Friedrichstraße – Schlachthofstraße – Waltherstraße/Hafenmühle – Trümmerberg – Alberthafen – Übigauer Allee – Elbwiesen – Pieschener Allee – Sportpark Ostra/Messering – ehemaliger Vieh- und Schlachthof/Messe Dresden
  • Festes Schuhwerk wird empfohlen. Die Tour ist nicht durchgehend barrierefrei. Bei Hochwasser bitte den Rundweg über den Messering nutzen.
  • Erreichbarkeit des Startpunktes: Haltestelle Weißeritzstraße (Straßenbahnlinie 10 und Buslinie 75)
  • Rückfahrmöglichkeit: Haltestelle MESSE DRESDEN (Straßenbahnlinie 10)

Wegbeschreibung

Weißeritzstraße – Marcolini-Palais

Der Name der Starthaltestelle Weißeritzstraße (1) erinnert daran, dass die Weißeritz bis Ende des 19. Jahrhunderts parallel zum heutigen Bahndamm floss. Die im 17. Jahrhundert geplante Handwerkeransiedlung Neustadt-Ostra wurde von den Dresdner Innungen boykottiert und wuchs nur langsam. Daraufhin siedelten sich Hofbeamte und wohlhabende Bürger entlang der Ostraer Gasse an. Sie ließen sich Sommerwohnungen und Gartenanlagen errichten. 1734 nach Kurfürst Friedrich August II. benannt, wurde die Friedrichstadt 1835 nach Dresden eingemeindet. Viele Informationstafeln erinnern an bedeutende Ereignisse, Personen oder Gebäude, wie zum Beispiel auf der Friedrichstraße: Hier finden Sie das damalige Ball- und Konzerthaus „Keglerheim“, das Geburtshaus des Landschaftsmalers Adrian Ludwig Richter und das Wohnhaus von Professor Andreas Schubert. Schubert war der Konstrukteur des ersten sächsischen Elbdampfschiffes „Königin Maria“ (1837) und der ersten deutschen Lokomotive „Saxonia“ (1839). Auch heute verlorene Orte, wie die Spirituosenfabrik Bramsch oder die kurfürstliche Menagerie, können Sie entdecken.

Ein Abstecher auf den Alten Katholischen Friedhof (2) lohnt sich. Durch die Konversion August des Starken im damals fast ausschließlich evangelisch-lutherischen Sachsen notwendig geworden, entstand er 1721. Er ist aufgrund zahlreicher Grabstätten berühmter Persönlichkeiten ein kulturhistorisches Denkmal in Dresden. Der Komponist Carl Maria von Weber, der Bildhauer Balthasar Permoser und der Maler Gerhard von Kügelgen fanden hier ebenso ihre letzte Ruhe wie polnische Emigranten, die Mitte des 19. Jahrhunderts nach Dresden kamen.

Beeindruckend ist das barocke Marcolini-Palais (3) gegenüber. Richard Wagner wohnte dort und Kaiser Napoleon verhandelte hier 1813 vergebens mit dem österreichischen Außenminister Fürst von Metternich. Ende 1849 richtete die Stadt ein Krankenhaus ein. Seither gab es ständig bauliche Erweiterungen. Der zugehörige Park wird gekrönt durch seinen alten Baumbestand und eine Brunnenanlage von europäischem Rang, dem mächtigen Neptunbrunnen. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Klinikum befindet sich der Matthäusfriedhof. Die Pläne der von 1728 bis 1732 errichteten Matthäuskirche stammen von dem Zwingerbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann, dessen Sarg auch in der Gruft liegt.

Trümmerberg – Museumshafen 

Entlang der Straßenbahntrasse erreichen Sie die Magdeburger Straße und erklimmen gleich darauf den Trümmerberg (4). Zwischen 1949 und 1952 brachten Trümmerbahnen den Schutt der zerstörten Innenstadt rund um den Neumarkt hierher. Heute haben Besucher von hier oben einen fantastischen Panoramablick und eine gute Übersicht über das gesamte Ostragelände mit Hafen, Flutrinne, Elbwiesen, ehemaligem Schlachthof und Sportpark. Über Jahrhunderte zuvor verschob die Weißeritz Geröll nach Norden und eine inselartige Erhebung entstand: das heutige Ostragehege. Eine Urkunde von 1206, in der der Name „Dresdene“ erstmalig auftaucht, nennt auch das Dorf „Oztrov“. Im Slawischen bedeutet es so viel wie Insel.

Zunehmender Eisenbahn- und Schiffsverkehr verlangte Ende des 19. Jahrhunderts neue Lösungen innerhalb des Stadtgebietes. Das Gelände nordwestlich der Innenstadt mit fast 50 Hektar Wiesenland war wie geschaffen für eine ausgedehnte Hafenanlage (5). Wiederkehrende Hochwasser forderten zudem Schutzmaßnahmen für die Stadtentwicklung. Die Weißeritzmündung wurde westlich nach Cotta verlegt und zeitgleich mit dem Hafenausbau quer durch das Gelände eine über 300 Meter breite Flutrinne angelegt. Für das über einen Kilometer lange Hafenbecken und die Flutrinne wurden von 1891 bis 1895 über 1,5 Millionen Kubikmeter Erdreich ausgehoben. Den Aushub verwendete man für den Ablaufberg des Friedrichstädter Rangierbahnhofes sowie eine hochwassersichere Aufschüttung, die spätere Schlachthofinsel. Mit einem heute kleineren Hafenbecken ist der Alberthafen neben dem Umschlag von Stück- und Schüttgut zum Experten für den Versand von Rotorblättern, großen Aggregaten und Schwerlastgütern geworden.

Unübersehbar ganz in weiß ist die Bienertsche Hafenmühle. Nach Entwürfen von Lossow und Kühne, den Architekten u. a. des Dresdner Schauspielhauses und des Hauptbahnhofes in Leipzig, entstand mit diesem 64 Meter hohen Koloss aus Eisenbeton 1913 ein noch heute stadtbildprägender Industriebau. Dresden wurde damit zum größten deutschen Umschlagplatz für Überseegetreide mit pneumatischer Ausladung.

Im ehemaligen Sozial- und Kulturgebäude des Hafens von 1956 lädt ein Fischrestaurant mit einem über 5.000 Liter großen Meerwasseraquarium zum Verweilen ein. Sehenswert im kleinen Museumshafen (6) ist u. a. der über 100 Jahre alte Schleppkahn „Waltraut“ sowie im großen Hafenbecken das Minensuchboot „Atlantis“ der Bundesmarine, das von 1968 bis 1995 im Dienst war.

Übigauer Allee – Sportpark Ostra

Nach dem städtischen und industriellen Teil steht nun vorwiegend das Landschaftserlebnis im Vordergrund. Entlang des Hafenweges erreichen Sie nach 500 Metern die Übigauer Allee (7), eine von ehemals drei großzügig angelegten Alleen. Die breite Flutrinne querend, gehen Sie vorbei an über 120 Jahre alten Linden. Am 15. August 1813 fand hier die letzte Parade Napoleons auf deutschem Boden statt. Zur Feier seines 44. Geburtstages marschierten 40.000 Mann über drei Stunden am Kaiser und an König Friedrich August I. vorüber. Am Ende der Allee, auf der anderen Elbseite gelegen, erblicken Sie Schloss Übigau. Es war nach den Plänen August des Starken als westlichster Punkt seines „Canale Grande“ via Residenzschloss zum Schloss Pillnitz gedacht. Ein technisches Denkmal der ehemaligen Übigauer Schiffswerft ist erhalten geblieben. Der eiserne Drehkran mit 30 Tonnen Tragkraft, 1891 einst modernster Uferkran seiner Zeit, diente zum Einheben der schweren Schiffsmotoren in die dort gebauten Schiffe.

Nun folgen Sie im weiten Bogen dem Pfad über die Elbauen (8) oder gehen direkt am Elbufer entlang. Diese Wiesen sind Brut- und Nahrungsrevier zahlreicher Vogelarten und Kleinsäuger, darunter vom Wachtelkönig. Das gegenüberliegende Elbufer offenbart uns eine Stadtsilhouette, die sich mit Dresdens Erscheinungsbild prägender Baukultur, wie etwa vom Zentrum elbaufwärts bis nach Pillnitz hinauf, nicht vergleichen lässt. Wenige Ausnahmen sind das schlummernde Schloss Übigau, die malerischen Dorfkerne von Alt-Mickten und Alt-Übigau oder der Pieschener Winkel mit Hafen und markantem Brückenpylon.

Vis-à-vis vom Ballhaus Watzke beginnt die Pieschener Allee (9). Diese vierreihige Lindenallee wurde um 1720 angelegt und war Teil einer auf das Residenzschloss ausgerichteten barocken Parkanlage, die aber nie ausgeführt wurde. Aus dieser Zeit sind noch einige Linden erhalten. Durch die Nutzung als Kohle- und Schrottlagerplatz sowie als wilde Müllhalde kam es Ende des 19. Jahrhunderts zu großen Beschädigungen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde in großem Stil neu gepflanzt. Heute ist diese etwa zwei Kilometer lange Allee ein Flächennaturdenkmal. Hier finden Sie viele Brutvogelarten und die europaweit einzige Population des nearktischen Bockkäfers.

Auf halbem Wege geht es nach der Gartensparte rechts auf den Messering. Gegenüber erstreckt sich der Sportpark Ostra (10). Seit 1919 nutzt der Dresdner Sportclub 1898 hier verschiedene Anlagen. Unter Trainerlegende Helmut Schön hat der DSC in den 1940er-Jahren mit je zwei Deutschen Meister- und Pokalsiegertiteln Fußballgeschichte geschrieben. Im Heinz-Steyer-Stadion stellten zwischen 1973 und 1986 zehn Frauen insgesamt 13 Weltrekorde in verschiedenen Leichtathletik-Disziplinen auf. Mit dem Eissport- und Ballspielzentrum, der EnergieVerbund Arena sowie der Weiterentwicklung von bestehenden Sportanlagen bietet sich ein einmaliges Angebot für sportliche Aktivitäten. Heute strömen Besucher zu den Spielen der Dresdner Eislöwen hierher und treffen sich Fans, Spitzensportler, Eisläufer und Sportbegeisterte jeden Alters.

Ehemaliger Vieh- und Schlachthof – MESSE DRESDEN

Wie eine malerische Siedlung in offener Landschaft erscheint der ehemalige Vieh- und Schlachthof. Stadtbaurat Hans Erlwein schuf 1906 bis 1910 die modernste Anlage ihrer Art in Europa, die nicht nur funktionell hervorragend war, sondern auch baukünstlerisch hohen Ansprüchen genügte. Sie bestand aus 65 Gebäuden, darunter Stallungen, Markthallen, einem Hotel sowie einer großen Gastwirtschaft und verfügte über einen eigenen Bahnanschluss, Energieversorgung und Abwasserreinigung. In Kurt Vonneguts populärstem Roman „Schlachthof Nr. 5“ wurde er 1969 zum Motiv. Vom Krieg weitgehend verschont, kam es 1995 zur Schließung. Neue Nutzungen prägen heute das geschichtsreiche Areal. Das Sportschulzentrum (11) am Messering 2 a stellt seit 2007 den Mittelpunkt des Nachwuchsleistungssports in Dresden dar. Es vereint Sportgymnasium, -oberschule und -internat sowie das Nachwuchsleistungszentrum der SG Dynamo Dresden.

Nach umfangreichen Umbau- und Sanierungsarbeiten eröffnete 1999 nebenan die MESSE DRESDEN (12) im alten Industriedenkmal ihre Pforten. Die Halle 1, größte der vier Hallen, fasst bis zu 10.000 Besucher. Hier finden neben Messen, Konzerten und Shows auch große Kongresse statt. Zirka 23.000 Quadratmeter überdachte Hallenfläche und 13.500 Quadratmeter Freifläche stehen insgesamt zur Verfügung. Das Tagungszentrum BÖRSE DRESDEN erinnert mit seinem Namen an die ehemalige Nutzung des Hauptgebäudes als Handels- und Bewertungsbörse für das hier verarbeitete Nutzvieh.

An der Haltestelle MESSE DRESDEN zwischen Messeeingang und -teich erreichen Sie die Linie 10. Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Heimweg.

Die Ausarbeitung dieses Wandertipps erfolgte mit freundlicher Unterstützung von igeltour Dresden.

Fotos: igeltour Dresden, DVB


Wir bewegen Dresden