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Streifzug 20: Glückauf im Süden zwischen Bergbau und Panoramen

Tariftipps

Für die Tour empfehlen wir eine Tageskarte für einen Erwachsenen und zwei Schüler bzw. eine Familientageskarte für zwei Erwachsene und maximal vier Schüler bis zum 15. Geburtstag oder eine Kleingruppenkarte für bis zu fünf Personen für die Tarifzone Dresden. Damit können Sie bis 4 Uhr morgens flexibel mit allen Straßenbahnen, Bussen, S-Bahnen, Regionalzügen und den Elbfähren in Dresden fahren. Möchten Sie die Tour außerhalb der Tarifzone Dresden (z. B. in Kleinnaundorf) beginnen oder abkürzen, benötigen Sie zusätzlich eine Fahrkarte für die Tarifzone Freital.

Der Dresdner Süden gehört zu den ältesten Siedlungsgebieten der Stadt. Schon in der Bronzezeit lebten Menschen auf der Heidenschanze, einer frühzeitlichen Befestigungsanlage auf einem Felssporn über dem Plauenschen Grund. Die fruchtbaren Böden im Umland lockten bald slawische Einwanderer an, die viele der typischen Rundweiler-Dörfer gründeten. Lange blühten Landwirtschaft und Weinanbau, bis im 19. Jahrhundert Steinkohle im großen Stil gefördert wurde. Vor den Toren Dresdens wurden nachweislich seit 1542 Steinkohle, Erze, Kalk und Alaun im Döhlener Becken abgebaut, in jüngster Geschichte sogar Uranerz. Mit Schließung der Schachtanlagen im Jahr 1990 fand der Bergbau sein Ende, blieb aber dank traditionsreicher Orte lebendig. Entdecken Sie auf unserem Streifzug die malerische Natur und genießen Sie panoramahafte Ausblicke auf Ihrem Weg von Coschütz zur Kaitzer Höhe, am Kaitzbach entlang nach Kleinnaundorf, über den Guido-Brescius-Weg zum Marienschacht und zurück nach Dresden zum Ziel Altkaitz.

Kurzbeschreibung

Karte des 20. Streifzuges
  • Länge der Tour: ca. 13 km
  • Dauer der Gesamttour: ca. 4 Stunden
  • Hauptroute: Coschütz – Kaitzer Höhe – Kaitzbachtal – Kleinnaundorf – Kaitzbachquelle – Guido-Brescius-Weg – Marienschacht – Boderitz – Rosenweg – Altkaitz
  • Festes Schuhwerk wird empfohlen. Die Tour ist nicht barrierefrei.
  • Erreichbarkeit des Startpunktes: Haltestelle Coschütz (Straßenbahnlinie 3 und Buslinie 66)
  • Rückfahrtmöglichkeit: Haltestelle Altkaitz (Buslinie 66)

Von Coschütz über die Kaitzer Höhe zum Kaitzbach

Sie beginnen den Streifzug an der Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 3 in Coschütz, die Sie auch mit der Buslinie 66 erreichen. Direkt unter Ihnen verläuft der 2004 fertiggestellte Tunnel der Bundesautobahn 17. Er besteht aus zwei Röhren und unterquert Coschütz auf einer Länge von 2,3 Kilometern. Coschütz selbst wurde erstmals im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt und war stets ein willkommenes Ausflugsziel der Dresdner. Doch die im 18. Jahrhundert erschlossenen Steinkohlebergwerke veränderten die Gegend. Die Bauern verkauften Felder als Bauland, Wohnsiedlungen entstanden und Industrie siedelte sich an.

Sie überqueren die Karlsruher Straße und biegen in die Mannheimer Straße ein. Die ruhige Straße führt Sie an Einfamilienhäusern vorbei und geht in einen Weg über. Am Ende dessen gehen Sie nach links in eine Allee mit Laubbäumen (1). Unter Hochspannungsleitungen entlang, erreichen Sie die Stuttgarter Straße. Das hiesige Gewerbegebiet Coschütz/Gittersee ist Standort von mehr als sechzig Unternehmen. Hier befand sich einst die Fabrik 95 der Sowjetisch-Deutschen Aktiengesellschaft (SDAG) Wismut, in der zwischen 1950 und 1962 die uranhaltige Steinkohle für atomare Rüstungszwecke aufbereitet wurde.

Laufen Sie auf der Stuttgarter Straße ein Stück nach links und überqueren Sie diese in Richtung des bereits deutlich erkennbaren Hügels. An einer Orientierungstafel gehen Sie nach rechts und betreten diesen an der ersten Tür im Zaun. Kaum zu glauben, dass dieser Hügel die Abprodukte der einstigen Uranerzaufbereitung durch die SDAG Wismut enthält. Sie müssen sich aber keine Sorgen machen. Die Halde wurde saniert und als Naherholungsgebiet mit umlaufenden Wegen aufbereitet. Die Schwermetalle sind unter der Erde sicher verwahrt und viele Messstellen auf dem Gelände kontrollieren die Strahlenwerte. Nutzen Sie den Weg nach rechts und steigen Sie nach zweihundert Metern zur Kaitzer Höhe (2) auf. Von dem 244 Meter hohen Plateau haben Sie eine tolle Sicht auf den Dresdner Süden, die Elbhänge bei Pillnitz und das Elbsandsteingebirge.

Gehen Sie den Hauptweg weiter. Verlassen Sie das Areal am Durchgang zur Cunnersdorfer Straße noch nicht, sondern laufen Sie parallel zu den Hochspannungsleitungen weiter, um an einem kleinen Gebüsch durch das Tor zu gehen. Unterhalb der Kaitzer Höhe gelangen Sie an einen Teich. Von hier an geht es etwa zwei Kilometer bachaufwärts am Kaitzbach (3) entlang. Das Kaitzbachtal mit seinen bewaldeten Hängen und wildromantischen Wiesen war im 19. Jahrhundert besonders beliebt, um der Enge der Stadt zu entfliehen. Im Bach gab es Flusskrebse zu fangen und für das leibliche Wohl sorgten einige der damals ansässigen Mühlen.

Unterwegs in Kleinnaundorf und entlang des Guido-Brescius-Wegs

Kurz vor den ersten Häusern von Freital-Burgk gehen Sie links am Brunnenhaus vorbei und kommen an einen Wegweiser. Sie folgen dem Kleinnaundorfer Rundwanderweg, überqueren den Kaitzbach über eine Brücke und erreichen die Steigerstraße in Kleinnaundorf. Gehen Sie rechts bis zu dem kleinen Parkplatz. Hier befindet sich das ehemalige Freibad von Kleinnaundorf (4), in dem 1992 Szenen für den Film Go Trabi Go 2 gedreht wurden. Der Teich dient heute als Brut- und Laichplatz für Fische, Lurche und Insekten. Auf einer Bank können Sie in dem über 800 Jahre alten Ort, der seit 1974 zu Freital gehört, eine Pause einlegen, bevor es über einen ausgeschilderten Weg weiter zur Kaitzbachquelle (5) geht.

Die Quelle des zwölf Kilometer langen Kaitzbaches befindet sich in einem halboffenen Steinrondell. Noch im 18. Jahrhundert trug der Kaitzbach, neben Heiliger Born und Weißeritz, zur Trinkwasserversorgung von Dresden bei. Was kaum einer weiß: Der Kaitzbach hat noch eine zweite Quelle in Kleinnaundorf. Allerdings ist diese unterirdisch verrohrt und kaum sichtbar.

Von der Quelle gehen Sie den Kleinnaundorfer Rundwanderweg weiter, am Ende der Gärten nach rechts etwas steil aufwärts und erreichen an einer Kindertagesstätte den Meßweg, in den Sie links einbiegen. Unmittelbar vor der Unterführung gehen Sie nach links und kommen auf einen Rad- und Wanderweg, der ursprünglich eine historisch bedeutsame Bahntrasse war. Seit 2019 trägt er den Namen Guido-Brescius-Weg (6). Guido Brescius (1824–1864) war der Oberingenieur der Albertsbahn AG und damit für die Planung und den Bau einer Eisenbahnstrecke von Dresden durch den Plauenschen Grund nach Tharandt zuständig. Insbesondere aber auch für die Hänichener Kohlezweigbahn, auf der Sie sich hier befinden. Mit dieser konnten die Zechen um Obergittersee, im Windberggebiet und auf der Hänichener Flur erschlossen werden. Vorher wurde die geförderte Steinkohle mit Pferdefuhrwerken über die vielen Kohlenstraßen ins Elbtal gebracht, was sehr beschwerlich war. Aufgrund der Linienführung mit mehreren Bogenkehren, großen Neigungsverhältnissen und engen Gleisbögen ist diese Kohlezweigbahn eine Meisterleistung Brescius‘. Die normalspurige Bahnstrecke ist die älteste Gebirgsbahn in Deutschland und nach der Semmeringbahn in Österreich die zweitälteste Europas, was ihr auch den Beinamen Sächsische Semmeringbahn einbrachte. Aber noch bekannter ist sie als Windbergbahn.

Auf der ehemaligen Trasse der Windbergbahn laufen Sie nun nach links im Bogen um das in der Senke liegende Kleinnaundorf herum. In diesem Bogenrund zweigte einst die Kohlebahn nach rechts zu den Schächten am Windberg ab.

Das Bergmannsdenkmal und den Marienschacht entdecken

Sie überqueren drei kleine Brücken. Wenn Sie möchten, können Sie einen Abstecher zu einem Bergmannsdenkmal unternehmen. Gehen Sie dafür am Ende der dritten Brücke (7) den Pfad hinunter, folgen Sie dem Weg aufwärts und überqueren Sie die Kohlenstraße. Nach etwa 300 Metern erreichen Sie das Bergmannsgrab (8) am Segen-Gottes-Schacht. In diesem und dem mit ihm verbundenen Neuhoffnungsschacht ereignete sich beim Abbau der Steinkohle am 2. August im Jahr 1869 ein schweres Grubenunglück. Bei einer Schlagwetterexplosion (eine Explosion, bei der austretendes Methangas explosiv mit Luft reagiert) kamen 276 Bergleute ums Leben. Die meisten von ihnen wurden auf dem Gelände des Segen-Gottes-Schachtes beigesetzt. Bis heute erinnert das Denkmal namentlich an die verunglückten Kumpel.

Auf gleichem Wege geht es zurück auf den Guido-Brescius-Weg und diesen weiter entlang, bis Sie das kleine Bahnstationsgebäude von Kleinnaundorf (9) erreichen. Auf einer Informationstafel erfahren Sie, dass die Nutzung der Strecke ab 1907 durch Personen- und Ausflugsverkehr ergänzt wurde, 1957 aber zugunsten des erhöhten Kohle- und Erztransports zwischen Freital-Ost und Gittersee wieder eingestellt wurde.

Weiter geht es nach Osten über die Straße Am Alten Bahnhof, die auch als Guido-Brescius-Weg ausgeschildert ist. Entlang der weiteren Wanderroute können Sie linker Hand den Bogen der einstigen Bahntrasse erkennen. Nach einem Kilometer des Weges, der teilweise von Birken gesäumt ist, erreichen Sie die ehemalige Bahnstation Boderitz-Cunnersdorf und dann die Schachtstraße. Direkt gegenüber befindet sich der Marienschacht (10) mit dem dazugehörigen Maschinenhaus und dem Förderturm. Dieser wird wegen seiner festungsartigen Mauerwerkarchitektur auch Malakowturm genannt. Diese Bezeichnung wurde häufig im Ruhrgebiet verwendet und ist auf die Zeit der Krimkriege Mitte des 19. Jahrhunderts zurückzuführen. Das Fort Malakow war ein Teil der schwer einzunehmenden Festungsanlage bei Sewastopol. 1886 begannen die Teufarbeiten am Schacht, die aufgrund der immensen Wassermenge über sieben Jahre andauerten. Bis zur Einstellung des Abbaus im Jahr 1930 wurden 1,2 Millionen Tonnen Steinkohle gefördert. Die tiefste Teufung auf einer Nebenstrecke erreichte dabei 660 Meter. Ende der 1950er-Jahre wurde der Schacht als Teil des VEB Steinkohlenwerks „Willi Agatz“ wieder in Betrieb genommen und später von der SDAG Wismut zur Urangewinnung übernommen. 1989 wurde der Schacht endgültig stillgelegt und anschließend umfangreich saniert.

Heute befindet er sich in Privatbesitz und wird als Eventlocation genutzt. Neben dem Turm betreibt der örtliche Bergbauverein eine kleine Ausstellung. Doch nicht nur das Ensemble des Marienschachtes ist beeindruckend, sondern auch die fantastische Aussicht von der Halde aus. Gehen Sie dafür um das Gelände herum bis zum Zaun, wo links ein Weg abzweigt. Hier blicken Sie über Dresden, zu den Elbhängen, in die Sächsische Schweiz sowie zum Tanzplan und dem Valtenberg im Lausitzer Bergland.

Fantastische Blicke am Rosenweg genießen und Altkaitz erkunden

Von dem Aussichtspunkt geht es auf gleichem Wege zurück, um Ihren Streifzug auf dem Weg mit der gelb-Strich-Markierung fortzusetzen. Hinter dem letzten Anwesen verlassen Sie den einstigen Bahndamm und biegen nach links ab. Der Weg bringt Sie nach Boderitz, einem Ortsteil von Bannewitz. In dem Ort am Birkenhain, wie man „Podebrese“ in der ersten urkundlichen Erwähnung von 1350 übersetzen könnte, stehen noch einige Bauerngehöfte, die im Rundling eines slawisch gegründeten Dorfes angeordnet sind. Der älteste stammt wahrscheinlich noch aus der Zeit vor der Reformation.

Sie gelangen über die Teichplatz- und Cunnersdorfer Straße durch den kleinen Ort, biegen aber wenige Meter nach der zweiten Kurve nach rechts in den Rosenweg (11) ein. Dieser geht in einen Feldweg über, der von alten Kirschbäumen gesäumt ist. In einer Senke rechter Hand fließt die Zschauke, ein Rinnsal zum Kaitzbach. Auch von diesem Weg aus genießen Sie schöne Blicke auf den Süden von Dresden.

Kurz vor der A 17 kommen Sie wieder auf den gelb-Strich-markierten Weg und unterqueren mit diesem nach rechts laufend die Autobahn. Weiden säumen die Zschauke, bevor Sie auf die Possendorfer Straße treffen, in die Sie links nach Altkaitz (12) einbiegen. Kaitz fand wie Dresden im Jahr 1206 erstmals Erwähnung. An der nächsten Kreuzung können Sie linker Hand an einer restaurierten Wegsäule etwas über die Geschichte erfahren. Rechter Hand erinnert ein Denkmal an die Dresdner Schlacht von 1813, bei der Kaitz schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde. In den Kämpfen der verbündeten Armeen Österreichs, Preußens und Russlands gegen Napoleon stießen Truppen in einer Gesamtstärke von ungefähr dreihunderttausend Mann aufeinander. Viele der Verwundeten wurden auf der Wiese erstversorgt. Noch heute trägt sie deshalb den Namen Tränenwiese. Unterhalb fließt auch wieder der Kaitzbach, der in Richtung Osten über Mockritz und Strehlen seinen Lauf nimmt, den Carolasee und Kanäle im Großen Garten mit Wasser speist und im Bereich der Bürgerwiese unter der Erde verschwindet.

Nach 13 Kilometern haben Sie den Zielpunkt dieses Streifzuges erreicht. Wenn Sie möchten, können Sie Kaitz noch ein bisschen erkunden und sich anhand der Informationstafeln durch den Ort leiten lassen. Von der Haltestelle Altkaitz gelangen Sie mit der Buslinie 66 zurück in die Stadt. Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Heimweg.

Die Ausarbeitung dieses Wandertipps erfolgte mit freundlicher Unterstützung durch Herrn Dr. Jürgen Schmeißer: www.coaching-wandern.de

Fotos: Dr. Jürgen Schmeißer


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