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Streifzug 5: Von Pennrich nach Briesnitz - durch den Zschoner Grund

Einst wurde im beliebten Hirschjagdrevier des sächsischen Kurfürsten und Tal der Mühlen am reißenden Wildbach nach Erzen gegraben, sowie Pläner und Rotliegendes abgebaut. Um 1900, besonders zur Zeit der Obstblüte, zogen die Dresdner in Strömen hierher und die früheren Mühlen wurden zu beliebten Gasthäusern. Heute ist das Naturschutzgebiet mit seinen felsigen Steilhängen, artenreichen Wiesenflächen und Streuobstwiesen ein beliebtes Erholungstal im Westen der Landeshauptstadt.

Kurzbeschreibung

Übersichtskarte der Route durch den Zschonergrund
  • Die Tour ist nicht durchgehend barrierefrei.
  • Dauer der Tour: 3 bis 4 Stunden
  • Erreichbarkeit des Startpunktes: Haltestelle Pennrich, Gleisschleife (Straßenbahnlinie 7)
  • Rückfahrtmöglichkeiten: Haltestelle Cotta, Gottfried-Keller-Straße (Straßenbahnlinien 1, 12 und Buslinie 94)

Wegbeschreibung

Pennricher Park – Syenodiorit-Steinbrüche

Von der Wendeschleife in Pennrich führt der Weg am alten Schmiedegut vorbei. Hier verbrachte der als „Seeteufel“ bekannte Graf von Luckner seine Kindheit. Als Kommandant des motorisierten Segelschiffes „Seeadler“ durchbrach er im Ersten Weltkrieg die englische Seeblockade. Die Altnossener Straße führte Händler, Postkutschen und Militär via Freiberg und Nossen nach Dresden. Über den Parkplatz gelangt man zum Pennricher Park (1), der sich hufeisenförmig um Steins Hof und das ehemalige Postgut zieht. Seit 1994 ist es Tradition, den Kindern, die in den sieben Ortsteilen von Gompitz geboren wurden, einen Baum zu setzen. Die Jungen bekamen eine Eiche, die Mädchen eine Linde. 115 Bäume kamen bis Ende 2001 zusammen. Der Platz wurde knapp und seitdem gibt es jeweils einen Jahrgangsbaum. Am Pennricher Teich vorbei folgt man rechts dem Weg durch die Siedlung.

Die Schulzenmühle (2) am Eingang zum Zschonergrund entstand vermutlich im 16. Jahrhundert und ist möglicherweise ein letztes Überbleibsel des Dorfes Zschon. 1568 wurde sie als Steinbacher Mühle erstmals urkundlich erwähnt. Nach Übernahme der Mühle durch die Familie Schulze wurde sie Schulzenmühle" genannt. Mit der Entdeckung des oberen Zschonergrundes erlebte die Mühle als Ausflugsgaststätte eine Wiederbelebung. Heute erfreuen sich an den Wochenenden Wanderer und Radfahrer an einfacher, guter Hausmannskost.

Der Zschonerbach (2a) entspringt am nördlichen Rand des Gewerbegebietes Kesselsdorf und mündet nach acht Kilometern in die Elbe. Dabei hat er 171 Meter Höhenunterschied hinter sich gelassen. Der Zschonergrund ist heute Landschaftsschutzgebiet, das teilweise den Schutzstatus eines Flora-Fauna-Habitat-Gebietes besitzt. Zu den geschützten Biotopen zählen unter anderem Auwälder, naturnahe Bachabschnitte, Schluchtwälder und Streuobstwiesen.

Die „Wilde Zschone“ schlängelt sich im Oberlauf zwischen steilen Felswänden hindurch. Der Weg bis zur Zschoner Mühle führt mehrfach über den Bach. Die Pfade sind schmal, teilweise unbefestigt und erfordern etwas mehr Aufmerksamkeit. 1904/05 begann der Gebirgsverein Briesnitz mit dem Ausbau dieses Grundweges. Nach kurzem Weg trifft man auf alte Syenodiorit-Steinbrüche (3). Syenitgestein ist hart, politurfähig und diente neben der Verwendung als Baustein auch als Material für Bildhauer und Steinmetze.

Zschoner Mühle – Räuberhöhle

Ein Mühlgraben mit seinen Schützen ist Vorbote der Zschoner Mühle (4). 1917 wurde der Mahlbetrieb, 1950 die Bewirtung eingestellt. Nach jahrzehntelangem Verfall haben 1985 Rekonstruktions- und Restaurationsarbeiten begonnen. Was damals als private Initiative von Thomas Winkler begann, assoziiert man heute mit einem vielfältigen kulturellen Angebot, Mühlentechnikbegeisterung und kulinarischen Genüssen. Die Mühle ist wieder voll funktionstüchtig und original restauriert. Im Mai 1991 wurde das größte funktionstüchtige oberschlächtige Wasserrad Sachsens mit einem Durchmesser von 6,20 Metern eingebaut. Heute zeigt sich die Zschoner Mühle als Restaurant mit romantischen Gasträumen und schattigem Biergarten, Mühlenmuseum und Kulturhof. Anschließend können Sie einen Abstecher hinauf nach Podemus unternehmen oder Sie gehen entlang der „Unteren Zschone“ weiter.

Ein Rundweg aus dem idyllischen Tal führt hinauf nach Podemus. Unterwegs ist auf Tafeln einiges zum Thema „Kulturgeschichte der Mühlen“ zu erfahren, darunter besonders erwähnenswert über die weltweit einzigartige Scheunenwindmühle. Im Dorfkern von Podemus (5) haben sich alte Gebäude erhalten. Die Schmiede gehörte einst zur Zschoner Mühle, wovon das Wappen über dem Eingang zeugt. Das ehemalige Vorwerk, ein Vierseithof von 1793, ist nach kompletter Sanierung seit fast 20 Jahren ein Mustergut für ökologischen Landbau. Aus dem früheren Dorfgasthof ist die historische Schänke „Hotel de bücke dich“ hervorgegangen. Vor dem Eingang weist das Standbild eines berittenen Jägers auf den „angeblichen“ Aufenthalt Napoleons vor der Völkerschlacht in Leipzig hin. Entlang von Viehweiden und unter Obstbäumen bergab erreicht man wieder die Zschoner Mühle. Vorbei am Kräutergarten und dem beeindruckenden Exemplar eines Mammutblattes geht es auf dem Talweg weiter.

Hinter der Mühle wechselt das Tal seinen Charakter. Ein breiter, bequemer Weg führt hindurch. Die „Stille Zschone“ fließt ruhig durch einen Auenwald, das Tal öffnet sich, die Hänge treten zurück und Wiesen breiten sich aus. 1763 begannen Versuche, den Zschonergrund bergbaulich zu nutzen. Man vermutete hier Gold- und Silbervorkommen. Mannshohe Gänge wurden 125 Meter in den Hang getrieben, aber die amtlichen Proben wiesen kein Vorkommen an Edelmetall aus. Daher wurde 1899 das Mundloch" endgültig zugemauert. Der Volksmund nennt diesen Ort heute „Räuberhöhle“ oder „Silberstollen(6).

Gedenkstein Bruno Birus – Eisteich

Nach kurzer Wegstrecke trifft man auf einen Gedenkstein (7), gewidmet Bruno Birus, der Ende des 19. Jahrhunderts mitgeholfen hat, den Weg entlang der Zschone für die Bevölkerung zugänglich zu machen. Der Briesnitzer Oberlehrer ging oft in den Grund, grub Pflanzen und Gehölze aus und pflanzte sie an anderer Stelle im Grund wieder ein. Am 15. Mai 1935 erlitt er hier einen Herzinfarkt und verstarb. Ein Jahr darauf errichtete der Gebirgsverein Briesnitz an dieser Stelle ein Denkmal. Beim Sommerhochwasser 1958 wurde es ins Bachbett gespült. Ein Rettungsversuch in den 80er Jahren schlug fehl. Der Stein zerbrach in zwei Teile. Bei wurden zum 10-jährigen Jubiläum der „Aktion Ameise“, einer Kindernaturschutzgruppe aus Briesnitz, geborgen, zusammengesetzt und am 8. Oktober 2005 eingeweiht.

Nach dem Siebenjährigen Krieg bekam das Jagdrevier der sächsischen Kurfürsten ein neues Gesicht. Der Wald wurde gerodet, Weinberge, Wiesen und Obstgärten angelegt. Die Streuobstwiese am Hang gegenüber dem Birus-Stein erinnert daran. Mit einem der schönsten Panoramablicke über die gesamte Stadt bis zur Sächsischen Schweiz wird belohnt, wer den Wiesenpfad zwischen den Obstbäumen erklimmt und den Streuobstwiesen-Entdeckerpfad rund um die Merbitzer Weinberge begeht. Dieser 2009 angelegte Pfad führt rund um die Merbitzer Weinberge (8). Einmalig im sächsischen Weinanbaugebiet sind sie hier größtenteils von Plänermauern umgeben. Diese Mauern wurden zum Schutz vor Wild und gegen die kalten Winde angelegt. Entlang dieses idyllischen Rundwanderweges befinden sich Schautafeln, die über den Obst- und Weinbau sowie den ortstypischen Plänerstein informieren. Vorbei am Merbitzer Hof kann man linkerhand die Bus-Haltestelle Merbitz Gewerbegebiet der Linie 93 nach Cotta erreichen.

Unten im Tal treffen wir auf den Eisteich (9), der im Zusammenhang mit den Bergbauversuchen angelegt worden sein soll. Als es noch keine Kühlschränke gab, wurde hier im Winter Eis für Kühlzwecke gewonnen. Blöcke wurden heraus gesägt und mit Fuhrwerken zu den Eiskellern der nahen Anwesen gebracht. Heute ist er ein interessantes Biotop, indem sich zahlreiche Arten von Fröschen und Lurchen wohlfühlen.

Zschonerbad – Weltemühle

Kurz darauf erreicht man das Zschonerbad (10). Im Mai 1927 als „Licht- und Luftbad Zschonergrund“ als Geschenk der Stadt Dresden anlässlich der Eingemeindung von Kemnitz und Briesnitz errichtet, wurde es 1988 auf Grund baulicher Mängel geschlossen. Seit 1996 kümmert sich der Verein „NaturKulturBad Zschonergrund“ um dessen Wiederbelebung sowie die ganzjährige Nutzung. Mit dem aus Plänersteinen errichteten Dreiseitenhof von 1836 passt sich diese Anlage harmonisch ins Tal ein. 2010 wurde ein Kräutergarten mit über 50 Arten angelegt. 2015 eröffnete das selbstreinigende Naturschwimmbad erneut.

Unmittelbar hinter dem Bad führt eine Treppe hinunter in den schattigen Grund. Eine wuchtige Mauer aus dem 90 Millionen Jahre alten Pläner vom Grunde des Kreidemeeres schützt unseren Weg. Er wird auch „Plauener Stein" genannt, nach dem Entdeckungsort Dresden-Plauen. Schon ist die ehemalige Weltemühle (11) am Ausgang des Tales erreicht. Sie avancierte nach 1870 zu einem beliebten Ausflugsziel im Dresdner Westen. Um 1900 erweiterte man das Anwesen mit einem prächtigen Ballsaal. Der angrenzende Luna-Park mit seinem Gondelteich wurde über die Grenzen Sachsens hinaus bekannt. Trotz Besitzerwechsel und zeitweiliger Schließungen blieb das Ausflugslokal bis 1954 erhalten. Nach historischem Vorbild erfolgte bis 1997 ein Wiederaufbau. Der Bach fließt entlang der Zschonergrundstraße weiter, verschwindet an der Straße Am Kirchberg für 200 Meter in der Kanalisation und mündet 150 Meter südlich der Autobahnbrücke in die Elbe.

Briesnitzer Kirche – Briesnitzer Rundling

Unser Weg führt nun rechts die Merbitzer Straße entlang. Mitte des 19. Jahrhunderts nahm die Zahl der Einwohner von Briesnitz stark zu und es mangelte an Platz für Grabstätten. 1879 begann die Anlage eines neuen Friedhofs auf dem Hammelberg an der Merbitzer Straße. Ein Abstecher zur Briesnitzer Kirche (12) lohnt sich. Die weithin sichtbare Kirche entstand zwischen 1270 und 1500 auf einem Bergsporn. Ein erster Friedhof entstand vor etwa 1.000 Jahren östlich davon. Beim Neubau der Alten Meißner Landstraße wurde alles nach 1938 überbaut. Unterhalb der Kirche erinnert eine Tafel an die älteste Landesschule Sachsens. 1511 ist der erste Schulmeister erwähnt. Heute hat der Maler und Architekt Einart Grotegut hier sein Domizil gefunden.

Über die Straße Auf dem Eigen erreicht man den Borngraben. Er gehört zu den ältesten Briesnitzer Wegen und war Teil des alten Bischofsweges, der von Meißen zur Briesnitzer Furt führte. Im November 1911 konstituierte sich die gemeinnützige Eigenheim-Siedlung Briesnitz-Dresden zur Errichtung einer Eigenheimsiedlung (13). Nach Plänen der Architekten Ludloff und Stieger wurde ein Bebauungsplan zur Errichtung einer Gartenstadt aufgestellt. Im Mai 1912 konnte an der Hammeraue der Grundstein für das erste Haus gelegt werden. Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges entstanden insgesamt 138 Häuser mit Gärten, Spielplätzen und öffentlichen Grünflächen. Nach der Eingemeindung des Ortes 1921 wurde diese Siedlung zwischen 1924 und 1939 erweitert. Zunächst errichtete man Eigenheime, ab 1927 Mietwohnungen. Der architektonisch interessante Baukomplex steht heute als Zeugnis des sozialen Wohnungsbaus aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unter Denkmalschutz.

Durch den markanten Hausdurchgang Nummer 22/24 gelangt man zu Gärtnereien und biegt links in die geschwungene Zschonerallee ein. Diese Häuser mit ihren Spitzgiebeln und kleinen Gärten wurden Ende der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts errichtet. Über den Felix-Dahn-Weg erreicht man den Briesnitzer Rundling (14). Nach dem Erwerb des Geländes der Ziegelei Nötzold durch die Eigenheimgesellschaft 1927 entstanden in den folgenden drei Jahren moderne drei- und viergeschossige Rundhäuser am heutigen Gottfried-Keller-Platz.

Von der Haltestelle Gottfried-Keller-Straße der Linie 1 kann die Rückfahrt ins Stadtzentrum angetreten werden.

Die Ausarbeitung dieses Wandertipps erfolgte mit freundlicher Unterstützung von  igeltour Dresden, dem Spezialisten für Führungen durch die Dresdner Stadtteile.