Streifzug 7: Versteckte Schätze, einmalige Ausblicke – der Dresdner Süden

Tariftipp

Für die Tour empfehlen wir eine Tageskarte für eine Person bzw. eine Familientageskarte für zwei Erwachsene und vier Kinder bis einschließlich 14 Jahre für die Tarifzone Dresden. Damit können Sie bis 4 Uhr morgens flexibel mit allen Straßenbahnen, Bussen, S-Bahnen und Zügen sowie den Elbfähren in Dresden fahren.

Der Dresdner Süden: Das beliebte Ausflugsgebiet von einst ist seit den achtziger Jahren durch die exzessive Bebauung als Kulturlandschaft in Vergessenheit geraten. Doch es lohnt sich! Verborgene Täler, alte Dorfkerne, weitläufige Grünflächen und Täler mit einmaligen Ausblicken rücken die Stadtteile rund um Zschertnitz, Altmockritz und Leubnitz in ein anderes Licht. Ein romantischer Abendspaziergang kann wahre Sehnsüchte hervorrufen. Der Süden hält so manche Überraschung für Sie bereit. Überzeugen Sie sich selbst!

Kurzbeschreibung

  • Länge der Tour: ca. 10 km
  • Dauer der Tour: ca. 3 Std.
  • Eckpunkte des Streifzuges: Räcknitzhöhe – Bismarksäule – Zschertnitz Münzmeisterstraße – Altmockritz – Mockritz – Gostritzer Str. – Spitzwegstraße – Neuostra – Klosterteichplatz – Heiligenborn – Koloniestraße – Wilhelm-Franke Straße – Altleubnitz
  • Die Tour ist nicht durchgehend barrierefrei.
  • Erreichbarkeit des Startpunktes: Haltestelle Räcknitzhöhe (Straßenbahnlinie 11, Buslinie 85)
  • Rückfahrtmöglichkeit: Haltestellen: Ludwig-Renn-Allee (Buslinie 63), Münzmeisterstraße (Straßenbahnlinie 11, Buslinie 63), Altmockritz (Buslinie 63), Zschertnitzer Straße (Buslinien 63, 66), Klosterteichplatz (Buslinie 75), Kauschaer Straße (Buslinie 75)

Wegbeschreibung

Räcknitzhöhe - Altmockritzer Bauernstube

Beginnen Sie Ihren Streifzug an der Haltestelle „Räcknitzhöhe“ der Linien 11 und 85 und folgen Sie dort der gleichnamigen Straße. Nachdem Sie die Heinrich-Greif-Straße überquert haben, erstreckt sich direkt zu Ihrer Rechten ein Gelände der Dresdner Stadtwerke, kurz DREWAG. Man kann nur erahnen, dass sich hier unterirdisch der größte Wasserspeicher Dresdens befindet. 1898 und 1905 wurden zwei riesige Betonkammern angelegt, welche fortan die linke Seite der Elbe mit Trinkwasser versorgten. An ihren Einstieg erinnern heute zwei kleine Türme im direkt anschließenden Volkspark. Gern können Sie einen Umweg in die kleine grüne Oase wagen. Biegen Sie dazu hinter der Heinrich-Greif-Straße nach Norden ab. Der Volkspark Zschertnitz wurde ursprünglich zum Schutz der wasserwirtschaftlichen Anlage angelegt. Im Zuge der Reichsgartenschau wurde der Volkspark 1936 umgestaltet und erweitert. Aufgrund der Pflanzenvielfalt steht der Park bis heute unter Naturschutz. Haben Sie den Park durchquert, gelangen Sie über die Stadtgutstraße nach links wieder auf die Räcknitzhöhe. Die vor Ihnen liegende und sanft ansteigende Wiesenfläche zeugt von historischem Reiz. Der einstige Kriegsschauplatz war 1813 Austragungsort der Schlacht um Dresden, bei der Zschertnitz unter dem Kampf von Frankreich, Preußen und Russland nahezu völlig zerstört wurde. Jean-Victor Moreau, ein abtrünniger französischer General, der an der Seite des russischen Zaren gegen Napoleon kämpfte, wurde bei dieser Schlacht schwer verletzt und starb wenige Tage später an den Folgen. Der Moreauweg führt heute den Hang hinauf zu seinem Denkmal. Von hier aus ist bereits die 1906 als Feuersäule eingeweihte Bismarcksäule zu sehen. Oben angekommen, haben Sie einen tollen Panoramablick über die Stadt bis zu den Hängen der Lößnitz. Von 2003 bis 2008 wurde das Bauwerk vom Verein Bismarckturm Dresden e.V. saniert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Aussichtsplattform mit dem großartigen Rundblick über die Landeshauptstadt ist jeweils Donnerstag bis Sonntag ganzjährig von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Zwischen den Neubaublöcken der Ludwig-Renn-Allee geht es weiter zur Südhöhe und zur Endhaltestelle der Linie 11. Laufen Sie die Münzmeisterstraße weiter in Richtung Süden hinunter, auf dem Wanderweg nach Kaitz-Boderitz (gelber Strich). Folgen Sie ihm ein Stück die Zieglerstraße entlang, bis zur Römchenstraße. Sie wundern sich über die Namensgebung der folgenden Straßen? Alle sind nach alten Dresdner Ratsgeschlechtern aus dem Mittelalter benannt. Einige von ihnen verfügten hier über Landbesitz. Bevor Sie den Wanderweg an der Römchenstraße verlassen, können Sie über das Kaitzbachtal hinwegschauen. Durch ein schmales Gässchen erreichen Sie über die Eigenheimstraße und den Eigenheimberg wieder die Münzmeisterstraße. Die liebevoll gestalteten Vorgärten mit ihren Steinmäuerchen sind besonders im Frühling sehenswert. Das untere Ende der Straße stößt direkt auf den Dorfkern Altmockritz, einem ursprünglich slawischen Rundling. 1350 wurde das Dorf zum ersten Mal erwähnt und gehörte eine Zeit lang der Dresdner Kreuzkirche. Auf dem Dorfplatz erinnert ein Gedenkstein  an die baschkirischen Soldaten, die 1813 gegen Napoleon kämpften. Er wurde von den in Dresden lebenden Baschkiren gestiftet. Gern können Sie in die Altmockritzer Bauernstube einkehren. Schlusssteine von 1783 und 1861 weisen auf frühere Umbauten hin.

Torbogen in Altmockritz - Freibad Mockritz

Haben Sie schon den schönen Torbogen (Altmockritz 12) entdeckt? Ein Blick, der sich lohnt. Am Kaitzbach entlang geht es in östlicher Richtung vorbei an einem weiteren prächtigen Bauerngehöft aus dem Dorf hinaus. Grasende Ziegen untermalen den idyllisch ländlichen Charme. Bereits im Mittelalter wurde dem Bach eine besondere Bedeutung zugesprochen. So speiste er den Wassergraben der Dresdner Stadt- und Befestigungsmauer. Während der Schlacht um Dresden galten die weitläufigen Wiesen und Hänge des Kaitzgrunds im Jahr 1813 als wertvolle strategische Lager und waren daher stark umkämpft. Der schmale Fußweg wird von uralten Weiden gesäumt, die an Erlkönigs Töchter erinnern. Direkt am Bach treffen Sie auf eine steinerne Echse, die zum Wasserkunstweg Mnemosyne gehört. Die gleichnamige Göttin der Erinnerung ist gleichzeitig die Mutter der neun Musen. 1994 wurde der Weg zur Erinnerung an den Kaitzbach, welcher mit der industriellen Entwicklung mehr und mehr aus dem Stadtbild verdrängt wurde, von der Dresdner Sezession 89 gestaltet. Mittlerweile erstreckt er sich über die ganze Länge des Kaitzbachs, von der ummauerten Quelle in Kleinnaundorf bis in die Innere Altstadt hinein. Links vom Weg breitet sich ein Wiesenhang hinauf zur Höhe, Schafe weiden unter hohen Bäumen. Rechts erstreckt sich ein Sumpfbiotop. Das Tal ist als Flächennaturdenkmal gekennzeichnet. Beim Überschreiten der Brücke fällt der Blick auf die Jagdsäule mit den Kurschwertern und der Jahreszahl 1751. Sie diente der Kennzeichnung der Bachüberquerung bei Hofjagden und begrenzte das höfische Jagdgebiet. Dahinter beginnt das Freibad Mockritz. Der 1621 angestaute frühere Münzteich verdankt seinen Namen der Herstellung der Dresdner Münze und der damit verbundenen Dresdner Münzstätte, welche 1556 unter Kurfürst August errichtet wurde. Bei Stadtbränden zog im 17. Jahrhundert der Münzteichknecht das Wehr und der angestaute Kaitzbach überspülte den Dresdner Altmarkt.

Gaststätte "Grundschlösschen" - Zierbrunnen in Neuostra

Der Weg biegt nach links ab und führt an der Ruine der einst beliebten Gaststätte „Grundschlösschen“ vorbei. Das Wirtshaus entstand 1875 auf den Fundamenten der alten Mockritzer Mühle. Dahinter erkennt man den Gondelteich von einst. Gehen Sie weiter nach rechts vorbei an der Kleingartensparte „Kaitzbachstrand“ und den bunten Gärten am Hang bis zur Gostritzer Straße. Hier trifft der Kaitzbach auf den Nöthnitzbach. Folgen Sie der Gostritzer Straße nach rechts bis zur Busmannstraße. Setzen Sie Ihren Weg durch diese weiter fort und biegen Sie schließlich in die Wilhelm-Busch-Straße in Richtung Süden ab. Am Ende der Straße befindet sich ein Spielplatz, welcher zum Pausieren für Eltern und zu Abenteuerspielen für Kinder einlädt. Der anschließende Radweg der Spitzwegstraße führt Sie weiter in Richtung Osten bis zur KONSUM-Kaufhalle. Um diese herum geht es zweimal nach rechts um die Ecke und schon sind Sie in Neuostra, der neuen Heimat mehrerer Bauern aus der heutigen Friedrichstadt, dem ehemaligen Dorf „Ostra“, das Kurfürst August 1568 auflöste, um das Ostragehege anzulegen und ein Vorwerk zu gründen. Prächtige Höfe zeugen vom Fleiß und Reichtum der hier Angesiedelten. Über den Klosterteichplatz erreichen Sie die Heiligenbornstraße, die mit ihren Straßengiebeln eine gemütliche Atmosphäre ausstrahlt. Der städtische Spielpatz ist direkt am Koitzschgraben gelegen. 2002 wurde der er bei der Jahrhundertflut stark beschädigt und beim Neuaufbau durch Dresdens längste Röhrenrutsche ergänzt. Wenige Schritte weiter steht ein Zierbrunnen.

Heiliger Born - Höhencafé

Die Straße endet hier und ein schöner Wanderweg führt parallel zum Bach durch den Wiesengrund bis zum Heiligen Born. Der Heilige Born galt im 16. Jahrhundert als eine der sehr seltenen sauberen Wasserquellen. Über Rohrleitungen aus Kiefernholz wurde das Wasser in die Dresdner Festung geleitet, und weiter über ein ausgeklügeltes Kanalsystem auf die Brunnen verteilt. Ein Hauptrohr hatte einen Durchmesser von circa 8 bis 10 cm. In den folgenden 400 Jahren diente diese Konstruktion der Wasserversorgung Dresdens. Ein Wiesenpfad lockt bergauf. Nach einigen Treppenstufen ist die Leubnitzer Höhe (Koloniestraße) erreicht. Vergessen Sie nicht ab und an mal einen Blick über Ihre Schulter zu werfen und den herrlichen Blick über das Tal und Quelle zu genießen. Die gemütlichen Häuschen wurden Anfang des 20. Jahrhunderts mit Unterstützung des Vereins der Tabaksgegner errichtet – bis 1958 durfte hier nach Erzählungen nicht geraucht werden. Am Ende der Koloniestraße biegen Sie links in die abwärtsführende Goppelner Straße. Folgen Sie der Straße und gehen Sie bis zur Ecke Kauschaer Straße. Hier stand einst der Leubnitzer Galgen. Auf der anderen Straßenseite finden Sie einen restaurierten steinernen Wegweiser aus dem Jahr 1832, aufgestellt von der „Commune Leubnitz“. Die Kauschaer Straße führt zur Wilhelm-Franke-Straße. Einst eine alte Fernverbindung nach Böhmen, säumt sie heute ein beliebtes Bauareal für Einfamilienhäuser. Vom Ende der Straße „Am Pfaffenberg“ verläuft ein Fußweg bis zur Heinrich-Heine-Straße. Hier gibt es bei klarem Wetter einen einmaligen Blick in die Ferne bis in die Sächsische Schweiz mit dem Lilienstein und nach Böhmen. Mit einer Höhe von 415,2 Metern ist der Lilienstein der einzig rechtselbische Tafelberg und gleichzeitig das Symbol des Nationalparks Sächsische Schweiz. Die Heinrich-Heine-Straße geht es hinunter bis auf die Thomas-Mann-Straße, in die Sie nach links einbiegen. Nach wenigen Schritten erreichen Sie einen schmalen
Fußweg, der steil bergab zum „Hohen Rand“ führt. Auf dieser Straße lud bis vor wenigen Jahren das 1927 erbaute Höhencafé (Café Kästner) zum Blick auf den gegenüberliegenden Elbhang ein.

Gaststätte "Leubnitzer Höhe" - Klosterschänke

Sie befinden sich nun wieder auf der Wilhelm-Francke-Straße, die in Kurven bergab führt. Laufen Sie ein weiteres Stück abwärts bis zur Straße „An der Kirschwiese“. 1910 beim Bau der „Süd-Ost-Kolonie“ entstanden, mündet diese heute in einen schmalen Weg. Auch die Leubnitzer Kirche ist von hier aus wieder zu sehen. Am Ende des Weges lockt auf der gegenüberliegenden Straßenseite die Gaststätte „Leubnitzer Höhe“ mit ihren Wandgemälden. Etwas unterhalb des Gasthofes liegt die Kirche Leubnitz-Neuostra, eine der ältesten und schönsten Kirchen der Stadt. Sie vereint Baustile des Barock bis hin zur Romanik. Der Turm stammt aus dem Jahr 1170. Im Mittelalter war dessen Innerstes nur über eine Leiter zu erreichen. Bereits 1233 wird eine Kirche in Leubnitz schriftlich erwähnt, doch sicher belegt ist sie erst in den Urkunden von 1288. Markgräfin Elisabeth von Maltitz schenkte ihren Besitz in Leubnitz dem Kloster Altzella bei Nossen. Es entstand ein Klostergut, an welches heute noch der Zellesche Weg erinnert. 1550 wurde das Dorf durch Kurfürst Moritz wieder verstaatlicht. Besonders sehenswert sind die Malereien der Kassettendecke, die alten Grabsteine mit ihren bewegenden Inschriften im Außenbereich und den Engelsfiguren aus dem 17. Jahrhundert. Auf dem Friedhof ist auch der berühmte Bauernastronom Johann Georg Palitzsch begraben. Hinter der Kirche führt ein Weg den Berg hinunter durch ein kleines Sandsteintor zur Engels- und Teufelsbrücke über den Koitzschgraben. Die Teufelsbrücke wurde als kürzeste Brücke Dresdens im 15. Jahrhundert aus einem einzigen Sandsteinblock erbaut. Wir folgen dem Bach nach links auf dem idyllischen Heydenreichweg, welcher nach einem Ortschronisten benannt ist. Nach einigen Metern treffen Sie bei der Klosterschänke wieder auf die Dorfstraße von Altleubnitz. Der Heydenreichweg bringt Sie schließlich zurück nach Neuostra, wo Sie sich Minuten später wieder auf der Spitzwegstraße mit ihren Geschäften, Einkehrmöglichkeiten und den Bushaltestellen der Linien 75 und 87 befinden. An dieser Stelle (Haltestelle Altleubnitz) beenden Sie Ihre Wanderung durch den grünen Dresdner Süden mit seinen weiten Wiesen, gemütlichen Dörfern und beeindruckenden Panoramablicken. Wer noch nicht genug hat, kann dem Kaitzbach weiter folgen, welcher ein ganzes Stück unterirdisch fließt. Wandern Sie weiter auf dem versteckten Pfad, der sich kurz hinter der Clausen-Dahl-Straße von der Zschertnitzer Straße abzweigt und über die Feuerbachstraße zum Hugo- Bürkner-Park führt. Hier befindet sich die Haltestelle der Linie 66. Wenn Sie schließlich den Park durchschritten haben, erreichen Sie auch die Haltestellen der Linien 9, 13 und 75. Welchen Weg Sie auch nehmen, Bahn und Bus bringen Sie bequem und sicher an Ihr Ziel.

Die Ausarbeitung dieses Wandertipps erfolgte mit freundlicher Unterstützung durch Frau Iris Schilke: www.kaitzbach.de