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Streifzug 1: Auf den Spuren Bienerts in Dresden-Plauen

Den Namen Plauenscher Grund trägt das Flusstal der Weißeritz zwischen dem Dresdner Stadtteil Plauen und der Stadt Freital. In Plauen und im Plauenschen Grund finden sich zahlreiche Stätten, die an die im 19. und frühen 20. Jahrhundert auch als Wohltäter bedeutende Dresdner Industriellenfamilie Bienert erinnern. 

Kurzbeschreibung

  • Die Tour ist nicht durchgehend barrierefrei.
  • Dauer der Touren: Hauptroute 1,5 bis 2 Stunden, mit Anschlussroute 2,5 bis 3 Stunden
  • Erreichbarkeit des Startpunktes: Haltestelle "Plauen, Rathaus" (Buslinien 62, 63, 85)
  • Rückfahrtmöglichkeiten: Haltestelle "Plauen, Rathaus" (Buslinien 62, 63, 85) Haltestelle "Plauen, Nöthnitzer Straße" (Straßenbahnlinie 3, Buslinie 85) Haltestelle "Münchner Platz" (Straßenbahnlinie 3)

Wegbeschreibung

F.-C.-Weiskopf-Platz – Friedhof Plauen

Ihre Wanderung auf den Spuren der Bienerts durch Plauen und den Plauenschen Grund beginnt am F.-C.-Weiskopf-Platz (1), den Sie über die Haltestelle "Plauen, Rathaus" mit den Buslinien 62, 63 und 85 erreichen.

Das Rathaus Plauen (2), 1893/1894 im Stil der Neorenaissance erbaut, ist ein Werk der Dresdner Architekten Lossow und Viehweger. Seinen 51 Meter hohen Hauptturm schmückt unter anderem eine von Robert Henze geschaffene Plastik des Schutzpatrons Georg der Drachentöter. In unmittelbarer Nähe entstand 1902 zum 50. Jubiläum der Übernahme der Plauener Hofmühle durch Gottlieb Traugott Bienert (1813 bis 1894) der Müller-Brunnen (3) mit der Inschrift "Das Wandern ist des Müllers Lust". Er erinnert an den Lyriker Wilhelm Müller und an das den Ort prägende Mühlenwesen. Die den Jugendstilbrunnen krönende Figur des wandernden Müllerburschen schuf Robert Henze, die Brunnenanlage entwarfen Lossow und Viehweger.

Nur einen kurzen Weg entfernt erwartet Sie die Auferstehungskirche (4). Die Geschichte der 1900 bis 1902 in ihrer heutigen Form umgebauten Kirche reicht bis ins Mittelalter zurück, wovon das gotische Portal am Fuße des Turms zeugt. Der Unternehmer Bienert trug durch Spenden zur Innenausstattung und zum Kauf der neuen Orgel bei. Auf dem nahen Inneren Plauener Friedhof (5) befindet sich als Eckgruft gestaltet die Begräbnisstätte Bienerts mit Schmuckplastiken von Henze. Direkt daneben liegen in einer vom Bauhaus-Architekten Walter Gropius geschaffenen Grabstätte der Bienertsohn Erwin (1859 bis 1930) und dessen Sohn Friedrich (1891 bis 1969). Ebenfalls sehenswert sind die Gräber des Direktors der Felsenkeller-Brauerei Evert und des hiesigen Bauunternehmers Fichtner.

Bienertmühle - Ratssteinbrüche

Die nächste Station auf Ihrem Weg ist die Bienertmühle (6), die frühere kurfürstliche Hofmühle aus dem 16. Jahrhundert. Nach der Übernahme der Mühle 1852 baute Bienert sie zur bedeutendsten industriellen Großmühle im Dresdner Raum aus, unter anderem mit damals modernster Mühlentechnologie. Von hier gelangen Sie direkt auf den circa 700 Meter langen und mit zahlreichen Informationstafeln versehenen Bienert-Wanderweg (7) durch den südlichsten Teil des Weißeritz-Grünzuges. Der Weg führt Sie vorbei am ehemaligen Standort des Hochplauenschen Wasserhauses, dem heute verwilderten Bienertschen Garten, dem Mühlgraben und der alten Dresdner Straße zur Hegereiterbrücke (8). Ursprünglich im 16. Jahrhundert erbaut, erhielt sie Ende des 18. Jahrhunderts ihre heutige Gestalt als dreibogige Straßenbrücke aus Sandstein (Wiederaufbau nach dem Hochwasser 2002). Unmittelbar gegenüber sehen Sie die Ratssteinbrüche (9), 1872 vom Rat der Stadt Dresden erworben, um Split und Schotter für den Straßenbau zu liefern. 

Felsenkellerareal – Hoher Stein

Vorbei am ehemaligen Plauener Bahnhof und dem früheren Standort des heute verschwundenen Tunnels der Albertbahn erreichen Sie ein Stück flussaufwärts das Felsenkellerareal (10). Es wurde 1857 bis 1858 vom Aktienverein der Brauerei zum Felsenkeller, bis 1900 eine der größten Deutschlands, im Bereich der alten Buschmühle errichtet. Die neun als Lagerkeller je 60 Meter tief in den Felsen getriebenen und mit einem 140 Meter langen Gang untereinander verbundenen Stollen sind heute Teil eines Gewerbeparks. Ansässig sind hier über 50 Firmen und ein bereits 1983 eingerichtetes Untertagelabor. 45 Meter tief im Felsgestein forschen heute Rossendorfer und Dresdner Wissenschaftler auf dem Gebiet der dunklen Materie. Das nahe Eiswurmlager (11) für das Eis zur Kühlung des Bieres erhielt seinen Namen nach einer Anekdote von 1862: Ein Eiswurm in den Lagerkellern verzehre das Eis, so dass das Bier schlecht werde.

Vom Eiswurmlager aus haben Sie die Wahl, über einen kurzen, steilen Aufstieg (12a) oder einen etwas längeren Aufstieg zur Felsenkellerbastei (12b) und weiter zum Areal um den Hohen Stein zu gelangen. Die Streuobstwiese am Hohen Stein (13) bildet ein typisches Beispiel einer kleinbäuerlichen Landnutzung in den dorfähnlichen Siedlungen um größere Städte. Der anschließende, im ehemaligen Tännicht angelegte Bienert-Park wurde 1906 von Erwin Bienert und seinem älteren Bruder Theodor (1857 bis 1935) gestiftet. Ein Gedenkstein im Park erinnert an die Künstler und antifaschistischen Widerstandskämpfer Eva Schulze-Knabe und Fritz Schulze. Der nahe Hohe Stein (14), eine ehemalige Brandungsklippe, liegt heute 190 Meter über dem Meeresspiegel. Der Syenitklotz wird in Fachkreisen auch als "Leuchtturm des Kreidemeeres" bezeichnet, unter anderem mit Ablagerungen versteinerter Meerestiere. Seit 1864 trägt er einen Aussichtsturm, der einen herrlichen Blick über den Plauenschen Grund und das Dresdner Elbtal ermöglicht. 

Gymnasium Plauen – Sternwarte

Wenige Minuten Fußweg vom Hohen Stein entfernt erreichen Sie das Gymnasium Plauen (15a). 1896 ursprünglich als erstes Lehrerseminar in einem sächsischen Dorf gegründet, zeichnete es sich durch zwei Stiftungen aus, die "Plauensche Bürgergabe". Prämiert wurden damit der beste Abiturient und der musikalisch besonders befähigte Seminarist. Zu der 1922 in ein Gymnasium umgewandelten Einrichtung gehört auch eine Sternwarte (15b). Entworfen vom Nestor der Schulastronomie, Herrmann Risse, entstand sie 1960 bis 1961 als Gemeinschaftsleistung von Lehrern, Eltern und Schülern im Rahmen des Nationalen Aufbauwerks. Von hier aus kommen Sie nach einem kurzen Weg entlang der Schleiermacher Straße sowie die Auferstehungskirche passierend wieder zum Ausgangspunkt F.-C.-Weiskopf-Platz zurück.

Anschlussroute zum Fichteturm

Wenn Sie Lust haben, können Sie Ihre Wanderung noch ein Stück nach Hohenplauen fortsetzen: Gehen Sie dazu einfach weiter durch das Villen-Viertel Dresden-Plauen in östlicher Richtung, Hohe Straße, Kaitzer Straße, Halbkreisstraße und Bernhardstraße querend, zum Fichte-Park (16). Der Park entstand 1891 zum 100. Geburtstag von Theodor Körner auf Bauland, das die Baugesellschaft Westend sowie Theodor und Erwin Bienert kostenlos zur Verfügung stellten. Der 1902 bis 1903 mit einer Teichanlage und 1920 mit Sandsteinskulpturen ausgestattete Erholungspark sollte Plauen verschönern. Seinen heutigen Namen erhielt er erst 1937 zum 175. Geburtstag von Johann Gottlieb Fichte. An seinem Ostende überragt der 1896 als Bismarck-Turm errichtete und 1954 umbenannte Fichte-Turm (17) den Park. Wer die 153 Stufen zur 25 Meter hoch gelegenen Aussicht erklimmt, dem liegt die ganze Stadt zu Füßen.

Auf Ihrem weiteren Weg in nördlicher Richtung bergab via Westendstraße begegnen Ihnen verschiedene interessante Häuser. Sehenswert ist zum Beispiel das Holzhaus Westendstraße 27. Dieses frühe Fertigteilhaus der Firma Christoph und Unmack aus Niesky ließ der Fabrikantensohn Sommerlad 1926 erbauen. Die prächtige Jugendstil-Villa (18) Westendstraße 21 entstand 1900 für den Rechtsanwalt Baum aus der Johannstadt. Der von der hiesigen Plauener Baufirma Fichtner in exponierter Lage errichtete Bau wird wegen des Sandstein-Frosches auf dem Dachfirst auch Frosch- oder Unken-Villa genannt.

Endpunkt Ihrer Wanderung ist die Haltestelle "Plauen, Nöthnitzer Straße" (19) der Straßenbahnlinie 3/Buslinie 85. Oder Sie wandern noch ein Stück weiter durch die Münchner Straße bis zur nächsten Haltestelle. Im Verlauf der Münchner Straße kommen Sie an einer Wohnhausgruppe der Eisenbahner-Wohnungsgenossenschaft vorbei, einem klassischen Beispiel des sozialen Wohnungsbaus der 1920er Jahre. Und bevor Sie an der Haltestelle "Münchner Platz" (20) in die Straßenbahn der Linie 3 einsteigen, werfen Sie noch einen Blick auf das burgartige, 1902 bis 1907 im Stil der Neoromanik durch den Architekten Oskar Kramer erbaute ehemalige Landgericht mit Untersuchungshaftanstalt. Der heutige Georg-Schumann-Bau beherbergt verschiedene Fakultäten und Institute der Technischen Universität Dresden sowie eine Mahn- und Gedenkstätte der Stiftung Sächsische Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer politischer Gewaltherrschaft.

Die Ausarbeitung dieses Wandertipps erfolgte mit freundlicher Unterstützung von igeltour Dresden, dem Spezialisten für Führungen durch die Dresdner Stadtteile.