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Streifzug 18: Der Reblaus auf der Spur: Von Wilder Mann nach Oberlößnitz

Tariftipp

Für die Tour empfehlen wir eine Tageskarte für einen Erwachsenen und zwei Schüler bzw. eine Familientageskarte für zwei Erwachsene und maximal vier Schüler bis zum 15. Geburtstag oder eine Kleingruppenkarte für bis zu 5 Personen für die Tarifzonen Dresden und Radebeul. Damit können Sie bis 4 Uhr morgens flexibel mit allen Straßenbahnen, Bussen, S-Bahnen, Regionalzügen und den Elbfähren in Dresden fahren.

Die nordwestliche Flur zwischen der Elbe und den Hellerbergen war einst ein waldreiches Gebiet. Im 15. Jahrhundert begannen wohlhabende Beamte und Adelige die idyllischen Hänge zu roden, um Wein anzubauen. Ende des 19. Jahrhunderts musste der Weinanbau wieder aufgegeben werden, da die aus Nordamerika eingeschleppte Reblaus große Schäden anrichtete. Die Hänge wurden nicht wieder aufgerebt und verwaldeten, doch die Spuren der Winzer sind geblieben. Wandeln Sie auf diesen und lassen Sie sich mit unserem Streifzug von Trachenberge durch die Junge Heide, über die Baumwiese in den Fiedlergrund bis in die Oberlößnitz führen. Entdecken Sie dabei herrschaftliche Villen, das ehemalige Sanatorium des Naturheilkundlers Friedrich Eduard Bilz und weite Panoramen über Dresden.

Kurzbeschreibung

Karte vom 18. Streifzug
Karte des 18. Streifzugs: Von Wilder Mann nach Oberlößnitz
  • Länge der Tour: ca. 9 km
  • Dauer der Gesamttour: ca. 3,5 Stunden
  • Hauptroute: Wilder Mann – Trachenberge – Hellerhofstraße – Junge Heide – Waldmax – Baumwiese – Fiedlergrund – Blechburg – Oberlößnitz
  • Festes Schuhwerk wird empfohlen. Die Tour ist nicht barrierefrei.
  • Erreichbarkeit des Startpunktes: Haltestelle Wilder Mann (Straßenbahnlinie 3, Buslinien 73, 80)
  • Rückfahrtmöglichkeiten: Haltestelle Hauptstraße (Straßenbahnlinie 4)

Wegbeschreibung

Die Legende vom „wilden Mann“

Sie beginnen den Streifzug zwischen den Stadtteilen Trachau und Trachenberge an der Haltestelle Wilder Mann, die Sie mit der Straßenbahnlinie 3 und den Buslinien 73 und 80 erreichen. Über den „wilden Mann“, der dem Gebiet seinen Namen gab, wird bis heute spekuliert. Einer Legende nach wurde der sächsische Kurfürst Johann Georg gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges von kroatischen Söldnern im Wald an den Trachenbergen überfallen. Eine bärtige Gestalt soll ihn befreit haben. Zum Dank wurde ihm an dieser Stelle ein Weingut gebaut, das „Zum wilden Mann“ getauft wurde. Diese Geschichte hat sicher einen wahren Kern, denn ein Weingut namens Wilder Mann existierte wirklich. An dieses erinnert heute noch eine Gedenktafel auf der Döbelner Straße 110. Ein Abstecher in die Straße lohnt sich: In der Zeit des Weinanbaus entstanden einige Weinberghäuser, wovon das Spieglersche Haus auf der Döbelner Straße 24 bis heute erhalten geblieben ist. Ab dem 18. Jahrhundert zog das Gebiet auch Bauern, Gärtner und Landarbeiter an, die sich verstreut ansiedelten. Ein zentraler Ortskern entstand nicht. Bis heute haben sich Wilder Mann und Trachenberge diesen Charakter erhalten können und Unternehmervillen, Wohnhäuser und Kleingartenanlagen prägen das Bild der Gegend.

Von der Gleisschleife gehen Sie die Großenhainer Straße nun bergauf. Rechter Hand sehen Sie in der Döbelner Straße 130 das ehemalige Gasthofgebäude Wilder Mann (1) mit bewegter Geschichte. Bis Ende des 19. Jahrhunderts ein beliebtes Ausflugsziel, wurde es während des Zweiten Weltkrieges als Reservelazarett und nach 1945 als Parteischule der SED genutzt. Ab 1969 verwendete das DDR-Fernsehen und später der MDR die Räumlichkeiten als Fernsehstudio. 2007 wurde es zum Wohn- und Bürohaus umgebaut.

Unterwegs in Trachenberge

Nach überqueren der Weinbergstraße biegen Sie rechts in einen gepflasterten Fußweg ein und streifen das Gelände des Berufsförderungswerks (BFW) Dresden. Hier können sich Menschen, die ihre bisherige Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können, beruflich neu orientieren und qualifizieren. Südlich des abgegrenzten Gebietes kommen Sie zum Panoramaweg (2) und erreichen oberhalb der Kleingärten am ehemaligen Weinberg eine schöne Aussicht auf Dresden: In einem 180°-Panorama von Ost nach West sehen Sie den Wachwitzhang mit dem Fernsehturm, den Děčíner Schneeberg, die Berge des Osterzgebirges, die Türme der Innenstadt und das markante Plateau des Freitaler Windberges.

Der Weg führt Sie weiter durch geschichtsreiches Areal. Im 19. Jahrhundert entstanden hier Hospitale, Schulen und Wohnheime, die in ruhiger, grüner Lage Kindern und Menschen mit Behinderungen Betreuung boten. Diese Sozialeinrichtungen hatten für die damalige Zeit einen beispielhaften Ruf. Ihre Tradition wird bis heute fortgesetzt: Neben dem BFW sind hier zwei weitere berufsbildende Schulen angesiedelt, in denen junge Erwachsene mit gesundheitlichen Einschränkungen oder Behinderungen medizinisch-therapeutisch unterstützt verschiedene Ausbildungsberufe erlernen können. Wohn- und Freizeitmöglichkeiten komplettieren die Ausbildung und Rehabiltation.

Sie folgen der Hellerhofstraße. Zahlreiche Gebäude zeugen davon, dass das Gelände zwischen 1937 und 1991 durch das Militär genutzt wurde. Sie laufen an einem ehemaligen Offizierscasino (3) vorbei, das mittlerweile als Seminarraum genutzt wird und biegen dann nach links ein. Die bald folgende Schranke verhindert nur den Fahrzeugverkehr und Sie können der Straße weiter folgen. Rechter Hand passieren Sie die Prinovis-Druckerei. Im Verbund mit weiteren Druckstandorten gehört die Prinovis, ein Tochterunternehmen des Bertelsmann-Konzerns, zu den größten europäischen Druckhäusern für Tiefdruck und Rollenoffsetdruck. Am Ende der Straße gehen Sie geradeaus in den Wald und folgen dem sandigen Weg aufwärts, bis Sie die Autobahn A4 erreichen. Nun nutzen Sie den parallel zur A4 verlaufenden Weg nach links und unterqueren nach ca. 350 Metern die Autobahn.

Von der Jungen Heide zur Baumwiese

Sie sind in der Jungen Heide angekommen. Archäologische Funde, wie Gräber aus der Bronzezeit, weisen auf eine frühe Besiedlung des Heidegebietes hin. Der seit 1560 gebräuchliche Name Junge Heide begründet sich nicht durch ihr Alter, sondern dass dieses Waldgebiet seit jeher ein schmaler, verjüngter Ausläufer der Dresdner Heide in westlicher Richtung war. Durch die Rodung des Hellers ab dem Jahr 1827 wurde die Junge Heide von der restlichen Dresdner Heide abgetrennt. An der Wegkreuzung direkt hinter der Autobahn folgen Sie dem Weg 100 Meter nach rechts parallel zur Autobahn, dann einem Waldpfad nach links, weg von der Autobahn. Sie stoßen auf einen querenden Weg und dort rechts nach zwanzig Metern auf einen mit einem roten Punkt markierten Weg, dem Sie nach links folgen. Die Waldgartengrundstücke um die Leeraue lassen Sie rechter Hand vorbeiziehen und überqueren den asphaltierten Boxdorfer Weg. Nach bis jetzt knapp fünf Kilometern Wanderung können Sie in die Ausflugsgaststätte Waldmax (4) einkehren. 1922 erbaut, befindet sich der Familienbetrieb nunmehr in der vierten Generation und stellt eigene Back-, Fleisch- und Wurstwaren her.

Sie setzen Ihre Wanderung auf dem rotmarkierten Augustusweg bis zur Baumwiese (5) fort. Die einst kurfürstliche Wiese zwischen Dresden und Moritzburg wurde 1665 erstmals urkundlich unter dem Namen „Bahnfelderwiese“ erwähnt, da sich dort ein starker Wechsel von Rot- und Schwarzwild verzeichnete. 1679 errichtete man an der Bahnfelderwiese ein Zollhaus mit Schlagbaum, was wohl zum heutigen Namen Baumwiese geführt hat. Doch es wurde nicht nur Geld von Reisenden eingetrieben, sondern dank einer kurfürstlichen Genehmigung gleichzeitig auch Wein und Bier ausgeschenkt, was die Schänke zu einem beliebten Ausflugsziel machte. Das Gebäude ist bis heute erhalten geblieben.

Durch den Fiedlergrund zur Blechburg

Sie überqueren die Dresdner Straße und folgen wieder dem Wanderweg mit der rot-Punkt-Markierung. Nach rund 650 Metern erreichen Sie die Straße Fiedlergrund, in die Sie rechts einbiegen. Rechter Hand sehen Sie ein zweistöckiges Wohnhaus aus dem Jahr 1715, das sogenannte Fiedlerhaus. Der königliche Leibarzt und Leiter des Stadtkrankenhauses Dr. Carl Ludwig Alfred Fiedler eröffnete 1893 in diesem Haus eine Heilstätte für erholungsbedürftige Lungenkranke. Ein kurzer Abstecher nach links führt Sie zum Ermelhaus (6). Es wurde nach seinem Stifter, dem Dresdner Dr. Christian Ermel benannt. In seiner 1835 errichteten Stiftung mit 50.000 Talern legte er fest, dass erst bei Verdoppelung der Summe durch Zinsen ein Heim für in Not befindliche Mütter gebaut werden sollte. Im Jahre 1885 konnte die testamentarische Festlegung erfüllt werden. Heute befindet sich im Ermelhaus eine zum Sächsischen Krankenhaus Arnsdorf zugehörige Tagesklinik für Kinder und Jugendliche.

Im Grünen hinter dem Ermelhaus erhebt sich der Jägerberg, an dem einst der Wein gedieh, bevor die Reblaus alles zunichtemachte. Nun ist er wieder bewaldet. Am Hang befindet sich das Haus Bilz, auch als Villa Jägerberg bekannt. 1895 erwarb Friedrich Eduard Bilz das Anwesen und nutzte es als Wohnsitz. Bilz war ein Naturheilkundler, der 1892 die Erlaubnis zum Betrieb eines Sanatoriums in Radebeul erhielt, welches über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurde. Das Gelände seines sogenannten Licht-Luft-Bades erstreckte sich über die Höhenlagen und Weinberge der Oberlößnitz und zeugt von seiner Philosophie: Bewegung an der frischen Luft und weite Blicke über das Elbtal sollen zur Genesung beitragen. Zahlreiche Pfade verbinden Aussichtspunkte, Türme und Villen, von denen Sie einige auf diesem Streifzug noch entdecken werden.

Sie wandern weiter in den buchenreichen Fiedlergrund (7) hinein. Der Grund mit seinen Bächen ist das östlichste Kerbtal der Lößnitzhänge und gehört zu einem der stark wasserführenden Tälern der Lößnitz. An einer markanten Wegkreuzung mit Brücke, wo sich die rote und gelbe Markierung teilen, wählen sie die rote nach links und erreichen die Häuser von Wahnsdorf. Sie halten sich links am Waldrand, wo Sie einen gestatteten Zugang zur Blechburg (8) in ein Privatgelände finden.

Die im Zweiten Weltkrieg durch Brandstiftung zerstörte Blechburg ist ein ehemaliger Aussichtsturm von einst siebzehn Metern Höhe mit achteckigem Grundriss. Ein großes Brunnenbecken und eine Aussichtsbastion an der Hangkante gehören zum Ensemble und sind bis heute erhalten geblieben.

Auf dem Weg nach Oberlößnitz der Reblaus auf der Spur

Folgen Sie dem Schild „Wanderweg“ durch den einst Englischen Park und umgehen die Begrenzung von Privatgrundstücken auf der Hangseite. Nach 500 Metern erreichen Sie die Aussicht Albrechtshöhe. Lassen Sie Ihren Blick über die Oberlößnitz nach Dresden und bis zu den Tafelbergen des Elbsandsteingebirges in der Ferne schweifen. Vorbei an einem alten Steinbruch und der steinernen Skulptur einer Reblaus, steigen Sie hinab zur Villa Wach, ein schon 1672 erwähntes Berg- und Lusthaus, in dem heute der Verein Kinderarche Sachsen untergebracht ist.

Die Reste der Parkanlage und die schöne Freitreppe können Sie am besten bewundern, wenn Sie über die Sandsteinblöcke nach rechts gehen. An der westlichen Seite des Anwesens gehen Sie in Richtung der schon erkennbaren Weinberge und folgen einem Fußweg, der durch neugebaute Einfamilienhäuser führt. Auf der rechten Seite hinter dem Weinberg sehen Sie auf das Schloss Lößnitz, das Hauptgebäude des ehemaligen Bilz-Sanatoriums (9). Das viergeschossige Kurhaus im Schweizerstil aus dem Jahr 1895 wurde 2007 aufwendig saniert und wird heute als Wohnhaus genutzt. Sie gehen weiter und kommen am Haus Albertsberg (10) vorbei. Das Neobarockschlösschen am gleichnamigen Weinberg ist ein denkmalgeschütztes Herrenhaus, welches im Jahr 1660 schon als steinernes Wohnhaus mit Weinpresse an gleicher Stelle stand.

Sie biegen nun nach links in die Straße ein und überqueren den neugestalteten Eduard-Bilz-Platz. Kernstück ist die Edelstahlplastik „Nymphe“, die der Figur auf einer Werbetafel aus dem Jahr 1907 für das Bilzsche Licht-Luft-Bad nachempfunden wurde. Rechter Hand haben Sie Blick zur Villa Sorgenfrei (11), einer der architektonisch bedeutendsten Herrensitze der Lößnitz. Das 1783 entstandene, zweigeschossige Herrenhaus gilt als das letzte erhaltene Gebäude im Dresdner Zopfstil, ein Stil im Übergang zwischen Rokoko und Klassizismus von 1760 bis 1790, der sich durch zopfförmige Blattornamente auszeichnet.

Sie folgen der Eduard-Bilz-Straße bergab. Sie kommen an weiteren Villen vorbei und erreichen die Meißner Straße. Neun Kilometer Wanderung liegen hinter Ihnen. Die Haltestelle Hauptstraße der Straßenbahnlinie 4 befindet sich nur wenige Meter in linker Richtung.

Wir wünschen Ihnen eine angenehme Heimfahrt.

Die Ausarbeitung dieses Wandertipps erfolgte mit freundlicher Unterstützung durch Herrn Dr. Jürgen Schmeißer: www.coaching-wandern.de

Fotos: Dr. Jürgen Schmeißer, DVB


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